WORKSHOP – ein theatraler Live-Talk

25.11. ab 20:00 Uhr

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Schuld(en)

In dem Bewusstsein, dass die „fetten Jahre vorbei“ sind, leben wir spätestens seit der ersten Ölkrise 1973. Die leeren Autobahnen an Sonntagen waren die ersten wirkungsmächtigen Zeichen für die Folgen einer Ökonomie auf Pump. Dennoch machten die Industriestaaten munter weiter Schulden, vorrangig auf Kosten der Länder der bis vor kurzem so genannten „Dritten Welt“. Und so mussten sie dafür eine ausgeklügelte weltumspannende Verdrängungsstrategie entwickeln, die die Geldströme an denen vorbeilenkt, die eigentlich im Besitz der Ressourcen sind, die für „Wachstum und Wohlstand“ in der westlichen Zivilisation benötigt werden. Dies um die westlichen Gesellschaften in einen verschwenderischen Lebensstil einzulullen, der ihnen ermöglicht, die Entwicklung von Schuldgefühlen zu unterdrücken. Schulden, also Geldschulden, sind eine besondere Form von Schuld: sie sind verbunden mit einem System der Umverteilung von Werten, die keiner anderen Moral gehorchen als der Vermehrung. Während die vor der Entwicklung des Kapitalismus herrschenden ethischen Systeme die „Verschuldung“ mit der jeweils persönlichen Verantwortung des Schuldigen gegenüber dem „Schuldigern“ und umgekehrt verbunden hatte, löst das postkapitalistische Kreditsystem die Verantwortung in ein freies – und mörderisches – Flottieren der Geldströme auf, ganz unabhängig von den „Werten“, die sie einmal repräsentiert haben.

In der November-Ausgabe ihres Talks widmen sich Andreas Browa und Christian Koch passend zur „schweren“ Jahreszeit einer ernsten Sache und begeben sich auf einen Streifzug durch die Kultur des Schuldenmachens. Die Richtschnur gibt dabei, wie könnte es anders sein, Bert Brecht vor: „Bankraub ist eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.“